Kongress "Eine Schule für Alle. Vielfalt leben!" startet in Köln

Eltern fordern Taten statt schöner Worte

12.3.2010 Mit einem Gastvortrag von Prof. Vernor Muñoz Villalobos, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, wird heute um 16:00 Uhr an der Universität zu Köln der Kongress „Eine Schule für Alle. Vielfalt leben!" eröffnet. Zum Start der Veranstaltung fordern die Eltern vom mittendrin e.V. von der Politik: Endlich Taten statt schöner Worte. "Ihre Bekenntnisse zur Inklusion helfen uns wenig, wenn unseren Kindern weiterhin das Recht auf Integration verweigert wird und immer noch Zwangszuweisungen in Sonderschulen drohen." Es ist an der Zeit, dass in den Schulministerien verbindliche Pläne erarbeitet werden, wie der Umbau unseres Schulsystems zur Inklusion innerhalb von zehn Jahren verwirklicht werden kann.


Im Fachkongress beraten am Freitag und Samstag rund 500 Eltern, Lehrer,
Verwaltungsfachleute und Politiker, wie in Deutschland ein inklusives (alle Menschen einbeziehendes) Bildungssystem aufgebaut werden kann, in dem alle Kinder gemeinsam lernen - ob mit oder ohne Behinderung. Dabei geht es auch um die kleinen und großen Schritte auf dem Weg zu einer „Schule für Alle".

Das Programm am Sonntag ist öffentlich.

Zum zweiten Mal nach 2007 veranstaltet der Elternverein mittendrin e.V., dieses Mal in Kooperation mit dem Department für Heilpädagogik und Rehabilitation der Universität zu Köln, einen Kongress, der die Integration von Kindern mit Behinderung ins allgemeine Schulwesen propagiert. Er zeigt, dass Gemeinsames Lernen keine Utopie ist, sondern an einzelnen Schulen in Deutschland seit langen Jahren erprobte und erforschte Praxis ist.
Inzwischen hat sich die Bundesrepublik Deutschland durch die Ratifizierung der UNKonvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen zu verwirklichen.

Wir Eltern kritisieren, dass die für Schulen zuständigen Bundesländer die Umsetzung der UN-Konvention verschleppen oder sogar hintertreiben. „Seit einem Jahr (26. März) ist die UN-Konvention inzwischen für Deutschland rechtlich bindend", sagt mittendrin-Vorsitzende Eva-Maria Thoms, „doch mit Ausnahme von Bremen und Schleswig-Holstein hat noch kein Bundesland die nötige Schulreform angepackt".

Das Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hat noch nichts produziert als wolkige Versprechungen der Ministerin Barbara Sommer, irgendwann ein Wahlrecht zwischen Sonderschule und Regelschule einzuführen.
Baden-Württemberg spricht öffentlich von freier Schulwahl, baut aber insgeheim mit den geplanten „Bildungswegekonferenzen" eine neue Bürokratie auf, die die betroffenen Kinder und ihre Eltern mit noch mehr Aufwand bevormundet.
Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (derzeit Präsident der
Kultusministerkonferenz) hintertreibt die Verpflichtungen der UN-Konvention gar, in dem er sogenannte Außen- und Kooperationsklassen - räumlich unter das Dach der Regelschulen geklemmt - als Beitrag zur Inklusion verkauft.

Wir Eltern fordern von den Länderregierungen
- Kindern mit Behinderung sofort das individuelle Recht auf Integration in die
Regelschule zu gewähren
- Den Grundsatz der Anti-Diskriminierung in ihren Schulgesetzen zu verankern
- Inklusionspläne vorzulegen, die den Umbau des Schulsystems innerhalb der nächsten zehn Jahre festlegen.

Der Kongress „Eine Schule für Alle. Vielfalt leben!" wird gefördert von
Software AG Stiftung
Gold Kraemer Stiftung
Rheinenergie Stiftung Jugend Beruf Wissenschaft
Kämpgen Stiftung
Heidehof Stiftung
Stiftung Wohnhilfe