KÖLN: DER UMBAU DER SCHULLANDSCHAFT BEGINNT

STADT UND LVR WOLLEN DIE INTEGRATION DER BEHINDERTEN KINDER IN DIE REGELSCHULEN AUS EIGENER KRAFT EINLEITEN

"Das System bewegt sich", sagt die Kölner Schuldezernentin Dr. Agnes Klein am 6. Mai 2008 beim Öffentlichen Fachgespräch "Eine Schule für Alle: Was tut die Verwaltung?", zu dem der Elternverein mittendrin ins Kölner DGB-Haus eingeladen hatte. Bei einer ersten Abfrage unter den Kölner Schulen, welche bereit ist, in Zukunft auch behinderte Kinder zu unterrichten, waren von bisher eingetroffenen 51 Antworten immerhin 22 positiv. Eine Kölner Hauptschule wird bereits zum kommenden Schuljahr eine integrative Lerngruppe einrichten. Drei weitere haben Interesse signalisiert.

Um die dafür nötigen Sonderpädagogen vor allem auch für eine Ausweitung des Gemeinsamen Unterrichts an den Grundschulen zu bekommen, hat die Dezernentin inzwischen mehrfach beim Schulministerium des Landes NRW vorgesprochen und die Dringlichkeit betont, in die Integration zu investieren. "Von einem Wahlrecht für Schüler und Eltern zwischen der Förderschule und dem Gemeinsamen Unterricht sind wir noch weit entfernt", konstatierte Klein.

Auch die Initiative der Landesregierung, sogenannte Kompetenzzentren für die sonderpädagogische Förderung einzurichten, will die Stadt konsequent für die Integration nutzen. Ziel ist, möglichst viele Kinder in den Kompetenzregionen wohnortnah in den Regelschulen zu fördern. Um hier die Entwicklung voran zu treiben, prüft die Stadt die Möglichkeit, über die zwei beim Land beantragten Kompetenzzentren hinaus in eigener Regie zehn weitere "Kompetenzregionen" in Köln einzurichten. Dort sollen die Förderschulen mit den Regelschulen, den Kindergärten und der Offenen Jugendarbeit in einem Netzwerk zusammen arbeiten.

Landesrat Michael Mertens als Schuldezernent des Landschaftsverband Rheinland LVR betonte die Bereitschaft des Landschaftsverbands, der allein in Köln fünf Förderschulen betreibt, die Wende in der Schulpolitik für behinderte Kinder zu unterstützen. Derzeit erarbeitet der LVR ein "Anreizprogramm", mit dem Kommunen bei der schulischen Integration unterstützt werden. Denkbar sei Hilfe bei der Einrichtung der Schulen, aber auch die Abordnung von Therapeuten, sagte Mertens: "Vielleicht können wir das in einer Modellregion testen", schlug er der Kölner Schuldezernentin vor.

Zahlreiche betroffene Eltern und Lehrer aus integrativen Schulen informierten die interessierten Verwaltungsvertreter über die alltäglichen Klippen und bürokratischen Fallstricke, die bis heute immer wieder die Integration behinderter Kinder in die Regelschulen verhindern. Es gab Lob für die Ansätze einer neuen Schulpolitik in Köln: "Nach Jahren, in denen die Bedingungen im Gemeinsamen Unterricht immer schlechter geworden sind, sehe ich jetzt zum ersten Mal wieder Licht am Horizont", sagte eine Lehrerin aus dem Publikum.