



7 Gründe für die Integration behinderter Kinder
1. Auch Integration muss man lernen
Die Integration behinderter Menschen ist in unserer Gesellschaft Konsens. Theoretisch. Praktisch sieht man behinderte Kinder in Deutschland weder auf der Straße, noch auf Spielplätzen oder in Sportvereinen. Die meisten besuchen vom 6. Lebensjahr an Förderschulen, in denen sie ganztags unterrichtet und versorgt werden. So haben sie zehn bis zwölf Jahre lang bis zum Ende der Schulzeit kaum noch Kontakt zum Alltagsleben der Gesellschaft. Die Gesellschaft, in die sie nun integriert werden sollen, ist für sie eine fremde Welt. Und umgekehrt: Die meisten reagieren unsicher und irritiert, wenn sie auf behinderte Menschen treffen. So wird Integration nicht gefördert, sondern behindert.
2. Das Förderschulsystem liefert keine überzeugenden Ergebnisse
Behinderte Kinder werden heute in Förderschulen unterrichtet, mit dem Argument, dass sie nur dort entsprechend gefördert werden könnten. Aber wie viel lernen sie wirklich? Fakt ist, dass 80 Prozent aller Förderschüler die Schule ohne berufsqualifizierenden Abschluss verlassen. Neuere Untersuchungen melden begründete Zweifel am Konzept der Förderschulen an. Der Verdacht: Zu viel behüten und zu wenig fordern bedeutet letztlich: zu wenig fördern.
3. Die Existenz der Förderschulen fördert die soziale Selektion
Die Förderschulen werden mehr und mehr zum Auffangbecken für all jene Kinder, die im "normalen" Schulbetrieb stören. Anstatt ihnen die notwendige Hilfe und Zuwendung zu geben, werden sie in die Förderschulen wegberaten. Fast alle Förderschul-Typen verzeichnen erschreckend hohe Anteile von sozial benachteiligten Kindern und Migrantenkindern. Sie werden - auf Dauer - von der Mitte der Gesellschaft abgekoppelt. Denn der Weg zurück ins „normale" Bildungssystem gelingt den wenigsten.
4. Wir brauchen jeden
Schon nach dem Jahr 2010 rechnen Wirtschaftsforscher mit einem beginnenden Mangel an Facharbeitern in Deutschland: es wüchsen zu wenig junge Arbeitskräfte nach, ganz zu schweigen von jungen und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Fast jeder Förderschüler wäre willens und in der Lage, einen verlässlichen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Die wenigsten Förderschüler bekommen dazu die Chance. Zusammen mit den Hauptschülern, denen ebenfalls niemand eine Chance gibt, dürften es inzwischen an die fünfzehn Prozent der Jahrgänge sein, die diese Gesellschaft als wirtschaftlich nutzlos aussortiert. Das ist nicht nur unmenschlich. Das ist dumm.
5. Mehr Vielfalt nützt allen Kindern
In Deutschlands Schulen werden Kinder unterrichtet, als ob die Natur sie geistig genormt hätte. Wir teilen die Kinder im Alter von zehn Jahren in drei (bzw. mit den Förderschulen vier) Güteklassen ein und geben uns der Illusion hin, fortan homogene Lerngruppen zu unterrichten. Diese Art der Rasenmäher-Pädagogik verschwendet die individuellen Begabungen und hat uns die desaströsen Ergebnisse der PISA-Studien beschert. Die Schule für Alle ist die Schule der Zukunft. Sie setzt auf individuelle Förderung. Sie wird damit nicht nur den lernschwachen Schülern gerecht, sondern auch den hoch begabten.
6. Gegen die Spaltung der Gesellschaft
Deutschland leistet sich ein Schulsystem, das den überkommenen Bildungsvorstellungen einer ständischen Gesellschaft angepasst ist. Das „dreigliedrige" Schulsystem formt schon aus Schülern Angehörige getrennter sozialer Schichten, die fortan nur noch unter Ihresgleichen verkehren. So spaltet Schule die Gesellschaft - und zieht Eliten heran, die Ihren Lebensstil für das Maß aller Dinge halten. Das fördert Vorurteile, Sprachlosigkeit und soziale Ignoranz. Es schürt soziale Konflikte und untergräbt die Demokratie.
7. Integration ist kein Problem, dessen Für und Wider diskutiert werden kann, sondern Aufgabe jeder demokratischen Gesellschaft
Und ein Grund dagegen? Viele Förderschüler, heißt es, würden in den allgemeinen Schulen untergehen.
Schulen sind für Kinder da - nicht umgekehrt. Wenn die Schulen zu schlecht sind für behinderte Kinder - dann müssen die Schulen besser werden. Spätestens die PISA-Ergebnisse haben gezeigt, dass nicht nur behinderte Kinder in unseren Schulen untergehen. Die Zahlen der „Sitzenbleiber", Schulabbrecher und Aussortierten spricht Bände. Bildungspolitik ist kein Thema für Sonntagsreden. Die Gesellschaft muss mehr in die Schulen investieren: in mehr Lehrer, besser ausgebildete Lehrer, deutlich kleinere Klassen und individuelle Förderung.












