
Über uns
Diese Internetseite wird vom Elternverein "mittendrin e.V." aus Köln betrieben. Wir wollen, dass unsere Kinder - ob mit oder ohne Behinderung - zusammen zur Schule gehen können. Wir meinen: Wer als Erwachsener integriert leben will, sollte das als Kind schon lernen dürfen.
Der mittendrin e.V. hat sich 2006 gegründet - zunächst, um den Kongress „Eine Schule für Alle." zu veranstalten, der dann vom 16. bis 18. November 2007 an der Universität zu Köln statt gefunden hat.
Anlass - für den Kongress wie für die Vereinsgründung - waren die persönlichen Erlebnisse einiger Vereinsmitglieder rund um die Einschulung ihrer behinderten Kinder. Erst durch diese persönlichen Erlebnisse haben wir gemerkt, dass die schulische Integration behinderter Kinder in Deutschland nicht etwa eine realistische Möglichkeit ist, sondern ein Glücksfall - und das nicht nur in Köln. Abseits der „Integrations-Hochburgen" Berlin, Hamburg und vielleicht noch Bremen ist die Zuweisung zur Sonderschule die Regel. Wer für sein Kind Integration will, muss kämpfen.
Als besonders bedrückend haben wir den Kontakt mit der Verwaltung empfunden. Anstelle der erwarteten Unterstützung gab es Druck:
- finanziellen Druck („Sie müssen wissen, den Fahrdienst gibt es nur zur Förderschule. Wenn Sie das Kind im Gemeinsamen Unterricht haben wollen, müssen Sie es selbst bringen"),
- psychischen Druck („Sie wollen doch auch, dass Ihr Kind etwas lernt?"),
- herablassende Behandlung („Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie akzeptiert haben, dass Ihr Kind behindert ist?").
Ernüchternd waren Kontakte mit Politikern, die mehr Integration stets als zwar wünschenswert, aber zu teuer abtaten - als ob ein Grundrecht unter Kostenvorbehalt stehen könnte. Oder sich sogar als Vorreiter der schulischen Integration fühlten, weil man in Köln ja einige hundert Plätze im „Gemeinsamen Unterricht" vorhält. Dieser „Gemeinsame Unterricht" ist jedoch eine politische Mogelpackung: Hier werden Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf zumeist in Regelklassen von rund 30 Kindern untergebracht und mit ein bis zwei Stunden sonderpädagogischer Förderung pro Woche versorgt. Individuelle Förderung ist unter diesen Bedingungen nicht möglich. Und tatsächlich sind die vorgeblich „behinderten Pänz" im gemeinsamen Unterricht in den meisten Fällen Kinder, die zwar einen zusätzlichen Förderbedarf haben, die aber kein neutraler Beobachter als „behindert" bezeichnen würde. Schwer behinderte Kinder (nach den Kriterien des Behinderten-Ausweises) sind dort nur in Einzelfällen zu finden.
Erhellend waren auch die Einblicke ins deutsche Sonderschulwesen. Wir haben Förderschulen gesehen - vorwiegend solche für Körperbehinderte - die so gut geführt und ausgestattet waren, wie man es sich für Schulen im Allgemeinen nur wünschen kann. Das Einzige, was den Schülerinnen und Schülern dort fehlt, ist die Integration.
Wir haben andererseits - in Förderschulen für Lernbehinderte, geistig Behinderte und erziehungsschwierige Kinder - Blicke in einen Bildungskeller geworfen, dessen Existenz wir uns zuvor nicht haben vorstellen können.
Um nicht missverstanden zu werden: Wir haben dort überaus engagierte und qualifizierte Pädagogen und Betreuer getroffen.
Es sind nicht die Sonderpädagogen, die diese Schulen so bedrückend machen. Es ist das System. Die Kinder werden nach Art ihrer Behinderung in Schubladen sortiert und verbringen den Großteil ihrer Kindheit und Jugend unter „Ihresgleichen". Was sie brauchen, um sich in diese Gesellschaft zu integrieren - Anregung und soziale Kontakte mit eben dieser Gesellschaft - bekommen sie hier gerade nicht.
Geradezu erschreckend war in diesen Schulen der augenfällig hohe Anteil von Kindern aus Migrantenfamilien. Offenbar ist für diese Kinder auch ohne „manifeste" Behinderung das Risiko, in die Desintegration der Förderschulen abgeschoben zu werden, deutlich erhöht.
Aus all diesen Erfahrungen haben wir den Schluss gezogen, dass wir in diesen deutschen Bildungskeller das grelle Licht einer politischen Diskussion werfen wollen. Wir wollen angehen gegen die bequeme Überzeugung, unsere behinderten Kinder seien in der behütenden Umgebung der Förderschulen doch gut aufgehoben. Sie sind es nicht. Wann soll Integration gelernt werden - wenn nicht in der Schulzeit?
Seit rund 25 Jahren gibt es in Deutschland Schulen, in denen jedes Kind willkommen ist und individuell gefördert wird. Die didaktischen Methoden für den zieldifferenten Unterricht sind entwickelt und weiter entwickelt worden. In Dutzenden von wissenschaftlichen Studien sind diese Unterrichtskonzepte begleitet und überprüft worden. Es ist alles erforscht und alles in der Praxis erprobt. Es ist Zeit für die Schule für Alle. Überall.












